Als Posaunenchorleiter, der darüber hinaus ein großer Technik-Fan ist, jage ich schon seit vielen Jahren der Frage nach: Wie kann Technik den Instrumentalisten unterstützen?
Beschäftigt man sich als Posaunenchorbläser mit den Noten und dem Notenständer, kommt man als erstes aufs Gewicht. Große schwere Koffer und Taschen müssen da zu Konzerten und Proben getragen werden. Hier sollte die eingesetzte technische Innovation für Abhilfe sorgen.
Als nächstes spielt Beleuchtung eine große Rolle. In den oft dunklen Kirchen hat das Thema Notenständerbeleuchtung in den letzten Jahrzehnten große Bedeutung gewonnen. Auch dieses Problem muss mit der eingesetzten Technik gelöst werden.
Weiter geht‘s mit den Augen. Viele Bläserinnen und Bläser kämpfen mit den verschiedensten Brillen von Lesebrille über Bildschirmbrille bis hin zur Gleitsichtbrille. Auch dieses Problem muss mit der technischen Lösung angegangen werden.
Die Lösung scheint ein Tablet zu sein. Ein großes Tablet, so denken Viele. Und doch will sich „das große Tablet“ als Notenbuchersatz nicht so richtig durchsetzen. Woran das liegt? Zunächst einmal an den Größen und Formaten der Geräte. In der Android-Welt wird das Seitenverhältnis 16:9 für tolle Filmwiedergabe favorisiert. Doch A4-Seiten mit Noten lassen sich damit nicht sonderlich schön anzeigen. Besser ist da dann das iPad mit 12.9 bzw. 13 Zoll im 4:3-Format. Hier will aber der Preis nicht so richtig passen. Das günstigste iPad mit dieser Bildschirmgröße kostet dann schnell über 900,00 €.
Als Posaunenchorbläser liebt man sein Hobby! Aber teuer darf höchstens das Instrument selber sein. Nicht der Notenständer.
Hat man sich zur Lösung mit dem Tablet entschieden, kommt schnell noch ein Fußpedal zum Umblättern der Seiten hinzu. Stellt man sich nun vor, dass alle Bläserinnen und Bläser eines Chores ein Tablet auf dem Notenständer und ein Pedal vor den Füßen haben und alle -eigentlich- zur gleichen Zeit umblättern müssen, wird schnell deutlich, dass auch hierfür die Technik eine geeignete Antwort haben muss! Außerdem werden die Füße für das Klopfen des Rhythmuses gebraucht. Muss im Posaunenchor umgeblättert werden, ist es oft so, dass ein Bläser von zweien, die sich einen Notenständer teilen, aufhört zu spielen, um sich um das Umblättern zu kümmern.
Und nun kommt noch eine klitzekleine eigene Idee mit hinzu: Wäre es nicht klasse, wenn wir für den „Digitalen Notenständer“ ein Gerät nutzen könnten, das wir ohnehin den ganzen Tag bei uns haben und das jede Menge Rechenpower hat? Die Rede ist vom Computer in der Hosentasche. Die Rede ist vom Smartphone.
Das alles zusammen brachte mich auf die Lösung, die ideale Lösung wohlgemerkt:
Die ideale Lösung ist ein großer augenschonender hochauflösender E-Ink-Monitor mit Hintergrundbeleuchtung im Seitenverhältnis 4:3 mit einer Größe von mindestens 16 Zoll. Dieser Monitor ist auf einem notenständerähnlichen Ständer montiert und an ihm kann dann das Smartphone angeschlossen werden. Hierauf läuft eine spezielle Software, die es dem einzelnen Nutzer erlaubt die Größe der angezeigten Noten für seinen Notenständer zu bestimmen, die Noten anderer Bläser auszublenden und Anmerkungen an die Noten zu schreiben.
Gesteuert wird das Umblättern zentral durch den Dirigenten. Idealerweise mit einer Fernbedienung in Form eines Ringes. Mit der Hand und nicht mit den Füßen.
Damit das gut gelingen kann, ist der angezeigte Bereich der Noten in zwei Teile geteilt. Entweder Oben und Unten oder Links und Rechts. Schaltet der Dirigent die Noten weiter, wird nur der halbe Notenbereich ausgetauscht. Auf diese Weise verschwinden nicht plötzlich die Noten, wenn der Dirigent drei Zählzeiten zu früh blättert.
Weil ich leider kein begabter Techniknerd bin, muss ich auf die technischen Innovationen warten, die es braucht, um meine Vision eines perfekten digitalen Notenständers Wirklichkeit werden zu lassen. Aktuell jedoch gibt es hierzulande noch keinen bezahlbaren E-Ink-Monitor in dem gewünschten Format und der gewünschten Größe.
Also gilt es mit der schon existierenden Technik einen Prototypen zu bauen. Man nehme: Anstelle des E-Ink-Monitors im 4:3-Format einen hochauflösenden LCD-Monitor, 16 Zoll, 4K im 16:10-Format. Man füge hinzu: Eine Powerbank, einen Ständer für große Tablets, eine Halterung für Powerbank und Smartphone, ein paar Kabel und ein Pedal zum Umschalten der Seiten.
Als Software-Lösung setze ich GoodNotes ein, dies weil ich keine andere Software kenne, die es dem Nutzer ermöglicht sowohl hochkant als auch quer PDF-Inhalte auf einem externen Monitor auszugeben.
Und TA DA. Schon ist er fertig, der erste „Do it Yourself - Digitale Notenständer“, der richtig Laune macht ihn zu benutzen.
Im Video zeige ich das derzeitige Endergebnis und erkläre die Softwarelösung mit GoodNotes:
Hier noch die Links zu den verwendeten Produkten (Stand: August 2026):